Stieg Larsson Verblendung – Verdammnis – Vergebung

Den ganzen Tag heute, 2. April 2010, habe ich kein neues Buch begonnen.

Mein Kopf ist voll von Lisbeth und Mikael.

Von dem Schicksal zweier Menschen? Nein, von Liebe und Freundschaft, von Wirtschaftskriminalität und Gewinnsucht, von Intrigen und Integrität, von Moral und Anstand, von Politik und Familie, von Verknüpfungen und Lösungen, von Dankbarkeit und Schuld.

Und von Gewalt gegen Frauen.

In all ihren Formen: von „in der Familie Vanger lässt man sich nicht scheiden“, bis zum Foltermord, von der Beschimpfung “du alte Nutte“ bis zur Vergewaltigung.

Lisbeth Salander ist für mich die zentrale Figur, eine gepiercte, tätowierte junge Frau, unfähig soziale Bindungen einzugehen, Gefühle zu zeigen, Empathie zu empfinden. Und dann erfährt man immer mehr über diesen Menschen, über seine Kindheit, über furchtbare Psychologen, unfähige soziale Einrichtungen, ausbeuterische Rechtsanwälte und wundert sich gar nicht mehr über ihre Reaktionen. Menschliche Menschen, hilfsbereit, verstehend, geduldig, unterstützend, auch wenn keine Regungen erwidert werden stehen diesen außerhalb der Menschlichkeit stehenden, aber in der Gesellschaft anerkannten Menschen gegenüber. Sie ermöglichen, dass eine Person sich weiterentwickeln kann, das ist an sich schon spannend, aber verknüpft mit Einblicke in das Paralleluniversum der Computerkenner und -könner, der Hacker und ihrem Leben im Internet, mit ihren Freundschaften und Unterstützungen und ihrer Moral, das ist atemraubend.

Und dann gibt es noch Mikael Blomkvist. Ein Journalist, mitten im Leben stehend, erfolgreich (auch wenn er zu Beginn des Buches für drei Monate ins Gefängnis muss) im Beruf und bei Frauen, neugierig, unbestechlich, so wie ich mir einen investigativen Journalisten vorstelle. Der sich für seine Überzeugung mit dem Staat anlegt, aber so geschickt ist und so viel Unterstützung von Lisbeth und anderen erhält, dass er kein Terrorist werden muss, sondern aufrechte Politiker findet, die sich seine Argument anhören und ihm glauben und mit ihm die Glaubwürdigkeit des Staates erneuern.

Als die Wege dieser beiden Menschen sich kreuzen, beginnt die Geschichte von Liebe und Freundschaft, von siehe oben.

Das einzig bedauerliche ist: es gibt keinen vierten Band!

Stieg Larsson ist mit nur 50 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben.

Oder hat er bei seinen Recherchen Mächtige gestört?

Nach der Lektüre dieser drei Bücher liegt eine Verschwörungstheorie sehr nahe, ist keine Verschwörungtheorie mehr unwahrscheinlich.

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